Kunst bewahren. 

Kultur sichtbar machen. 

Die Freunde der Chiemgauer Kunst engagieren sich für die nachhaltige Präsentation bedeutender Künstler des Chiemgaus – in außergewöhnlichen Ausstellungen und besonderen Orten.

Freunde der Chiemgauer Kunst

Gemeinnützige Stiftung

Lernen Sie uns kennen


Die gemeinnützige Stiftung „Freunde der Chiemgauer Kunst“ hat es sich zum Ziel gesetzt, die Werke Chiemgauer Künstlerinnen und Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts einem breiten Publikum zugänglich zu machen – sowohl in Dauer- als auch in Wanderausstellungen. Langfristig ist zudem die Einrichtung eines Museums in Oberbayern geplant. Neue Impulse entstehen dabei durch Kooperationen mit anderen Museen und werden in wechselnden Kunstausstellungen präsentiert, die durch ein abwechslungsreiches kulturelles, musikalisches und literarisches Rahmenprogramm ergänzt werden.

Dank guter Kontakte zu privaten Sammlungen können wir Werke unterschiedlichster Künstlerinnen und Künstler des letzten Jahrhunderts zeigen, die sonst der Öffentlichkeit verborgen blieben – darunter bedeutende Arbeiten von Thomas Baumgartner (1892–1962), Hiasl Maier-Erding (1894–1933) und Constantin Gerhardinger (1888–1970).

Die erste vom Stiftungsgründer Günther Herrmann 1999 zum Gedenken an Thomas Baumgartner organisierte Ausstellung in Wildbad Kreuth hält noch heute den Besucherrekord für Ausstellungen am Tegernsee. Maßgeblich dazu beigetragen haben zahlreiche private Leihgaben, die über Jahrzehnte nicht öffentlich zugänglich waren. Weitere Ausstellungen folgten – zuletzt 2017 in Aschau im Chiemgau.

Um an diese Erfolge anzuknüpfen und die Chiemgauer Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts weiterhin lebendig zu halten, ist unsere Stiftung auf die Unterstützung von Kunstliebhabern angewiesen. Nur so können Dauer- und Wanderausstellungen finanziert und auch junge Künstlerinnen und Künstler gefördert werden.

Wir freuen uns darauf, Sie bei unserer nächsten Ausstellung begrüßen zu dürfen!

Jedes Werk ist ein Blick in die Seele des Künstlers.

Vorwort 

Professor Dr. Erich Steingräber 


 
Die Maler, Hermann Groeber, Constantin Gerhardinger, Thomas Baumgartner, Hiasl Maier-Erding und Hans Müller-Schuttenbach gehören zu den letzten wichtigen Mitgliedern der Malerkolonie am Chiemsee, die mit ihrer Anziehungskraft und Ausstrahlung über ein Jahrhundert ein bedeutsames Element in der Münchner und süddeutschen Landschaftsmalerei bildeten. Untereinander durch vielfältige Beziehungen in der künstlerischen Ausbildung, der persönlichen Freundschaft und vor allem durch die Liebe zur Landschaft um den Chiemsee als immerwährende malerische Inspirationsquelle verbunden, schlossen sich drei von ihnen im Geist der Wiederbelebung und Fortsetzung der ehemaligen Malerkolonie auf Frauenwörth 1921 zu einer eigenen Gruppe, der sogenannten „Frauenwörther“ zusammen.
 
 Constantin Gerhardinger, seit den Kriegsjahren mit der Chiemseelandschaft vertraut, Hiasl Maier-Erding, der bereits als 15-jähriger nach Prien kam und sich 1920 ein Atelier in Gstadt einrichtete sowie Thomas Baumgartner, ein häufiger Gast in Gstadt oder in Rottau, fassten im Herbst 1920 den Plan zu einer gemeinsamen Ausstellung. Im Frühjahr 1921 wurde dann unter ihrer Jury die erste Ausstellung der „Frauenwörter“ auf der Insel eröffnet. Sie zeigte neben eigenen Werken Bilder von Rudolf Groeschel, Alfred Haushofer, Fritz Shell, Rudolf Sieck, Heinrich Heiner, Hermann Pfaffenzeller, Fritz Wagner, Clara von Bayern und Anton Müller-Wischin. Josef Wopfner, der damals immer noch unbestrittene „Malerkönig“ am Chiemsee, mit seinem über ein halbes Jahrhundert unermüdlich dieser Landschaft gewidmeten Lebenswerk, stellte als Ehrengast der „Frauenwörther“ aus. Wopfner bildete bis zu seinem Tod im Jahre 1927 zugleich eine Klammer zwischen den Chiemseemalern des vorigen Jahrhunderts und ihrer großen Tradition und den neueren der zwanziger Jahre. 
 
 Die Ausstellungen der folgenden Jahre führten u.a. Hermann Groeber 1923 und Hans Müller-Schuttenbach 1925 dem Kreis der „Frauenwörther“ zu, der mit wechselndem Schicksal bis zum Jahr 1960 weiterleben sollte. 1928 erinnerte man mit einer Jahrhundertfeier an den Beginn der Künstlerkolonie auf der Insel, die mit der Ankunft von Max Haushofer, Karl und Josef Boshart und Franz Trautmann 1828 begründet wurde. Damals bedeutete Haushofers Schritt, sich niederlassen in der freien Natur und die Entdeckung der bayerischen Landschaft, eine Pioniertat, der viele der frühen „Landschaftsfächler“ Folge leisten sollten. Die steigende Vertrautheit mit der Landschaft, der Neue, realistische Sinn für das Gesehene in der Natur und der darin befindlichen Menschen in einem organischen, liebevoll beobachteten Zusammenhang begriffen werden, bekam von Chiemsee aus mächtige Impulse. Mit Christian Morgenstern, Eduard Schleich, d.Ä. und Adolf Lier, die um die Jahrhundertmitte alle auch am Chiemsee arbeiteten, erreicht die Münchner Freilichtmalerei ihren Höhe- und Wendepunkt. Die Stimmung eines besonderen Landschaftsausschnitts und die Einmaligkeit der atmosphärischen Spannung von Licht, Luft, Blattwerk, Gewässer, feuchter und trockener Erde prägen sich dem Betrachter, dem subjektiven Blick des Malers folgend, nachdrücklich ein. Insbesondere Adolf Lier, der 1859 zusammen mit seinem Schüler Joseph Wenglein erstmals an den Chiemsee kam, hat hier, beeinflusst von der Ecole de Barbizon und Constable, neben Eduard Schleich d.Ä: Bedeutsames für die Entwicklung der „Passage intime“ geleistet, die er aus faszinierenden Naturgleichen Farbwerten zu bilden wusste. 
 
 Neben Wenglein zog es mit Hermann Baisch, Gustav Schönleber, Adolf Stäbli und Karl Heffner weitere Schüler an den Chiemsee. Mit der Ankunft von Karl Raupp 1869 und Joseph Wopfner 1872 am Chiemsee setzte die zweite, langwährende Blüte der Malerkolonie ein. Beiden wurde der See zur lebenslangen künstlerischen Herausforderung, beide verbande, als Piloty-Schüler, in ihren Bildern häufig Mensch und Seelandschaft zu erzählerischen, oft dramatisch oder anekdotisch aufgefassten Szenen. Im Gefolge von Raupp und Wopfner stellten sich Schüler wie Ludwig Löfftz, Christian Baer, ebenso Landschafter wie Ludwig Willroider, Anton Braith, August Seidel, Dietrich Langko, später auch Hermann Groeber ein. Groeber schließlich, im Eggstätt am Chiemsee aufgewachsen und dieser Landschaft von klein auf verbunden, wurde nach dem Ersten Weltkrieg als Professor an der Münchner Akademie in Amt und Würden, neben Wopfner zu einem Mentor der jungen Mitglieder der „Frauenwörther“ in den zwanziger Jahren. Diese waren ihrerseits durch ihren künstlerischen Werdegang ein mit der neueren Münchner Schule verknüpft. Baumgartner etwa hatte zunächst die Malschule Hermann Groebers besucht, später trifft er in der Klasse von Angelo Jank mit Constantin Gerhardinger und Hiasl Maier-Erding zusammen. Weitere Lehrer der drei waren Karl Raupp, Adolf Hengeler und Carl Joh. Becker-Gundahl. Hans Müller-Schnuttenbach, im wesentlichen Autodidakt, wird wie die anderen Mitglied der Münchner Künstlergenossenschaft und stellt Jahr für Jahr im Münchner Glaspalast aus. 
 
 Wichtig für ihr gemeinsames Streben in der Gruppe der „Frauenwörther“ war neben dem Gedanken der Wiederbelebung des einstigen Malerparadieses das Bewahren und die Pflege der Tradition. Weniger als Neuerer denn als heimatverbundene Traditionalisten verstanden sich die Einzelnen, die mit ihrem in den Jahren vor 1900 angeeigneten Formengut ihre eigenen Wege fortsetzten. Betrachtet man die Bilder der Ausstellung, so wird die künstlerische Eigenart eines jeden deutlich: Hermann Gröber, mit seinem breiten, lockeren Farbvortrag, der Lichteffekte auf Gesicht und Glieder seiner oft monumental gesehenen Bauerfiguren setzt und sie zuweilen bis auf derbe Grundstrukturen vereinfacht. Constantin Gerhardinger, mit seinem summarischen, energischen Blick, der häufig dumpfe Erdfarben und die verschiedensten Grüntöne dicht zusammenfasst. Hiasl Maier-Erding, mit seinen breiten, skizzenhaften Strukturen, den vitalen Farben und seiner volkstümlichen Vereinfachung. 
 
 Weiter Thomas Baumgartner, der sich mit einer eleganteren Malkultur von klaren, kühlen Farben absetzt, die insbesondere die Umrisse seiner zahlreichen Porträts straff zusammenfügt; besonders an ihm und auch an Gerhardinger lässt sich beobachten, dass für das spätere Werk der 30er und 40er Jahre ein weiteres Leitbild er Münchner Schule wichtig wurde: Leibl, Sperl und Schuch waren vorbildlich für eine zeitlos scheinende, immobile und handwerklich gediegene Malkunst. Schließlich noch der zarte, verhaltene Beitrag von Hans Müller-Schnuttenbach zur Kunst der Chiemseelandschaft, die er, meist in Aquarell oder Gouache, vorzugsweise in winterlicher oder frühlingshafter Stimmung, mit gedämpften Tönen und feinem schwarzen Geäst einfing; eine Kunst, die mit seinem Schaffen noch weit bis in unsere Tage fortgesetzt wurde. 
 
Zitiert aus der Sammlung von Constantin Faussner aus dem Jahr 1987. 


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