Constantin Gerhardinger

1888-1970

"Samerberger Bauer" Öl auf Karton, 31x 30 cm
Constantin Gerhardinger


"Stilleben" Öl auf Karton, 50x 55 cm
Constantin Gerhardinger


"Fraueninsel von der Ostseite" 49x 35 cm, 1921

Constantin Gerhardinger

"Dame" 46x 54 cm 
Constantin Gerhardinger

"Auer Dult" Öl auf Leinwand, 49x 36 cm, 1919
Constantin Gerhardinger

Constantin Gerhardinger

1888 München - 1970 Törwang am Samerberg


Constantin Gerhardinger wurde am 31. Juli 1888 in München als unehelicher Sohn der niederbayerischen Wäscherin Maria Gerhardinger geboren. Mit seiner Mutter verband ihn bis zu ihrem Tod im Mai 1933 ein außergewöhnlich inniges Verhältnis. Auch zu seinem Vater, dem Juristen Constantin Trammer, sowie zu dessen Familie, insbesondere zu seiner Halbschwester Constanze, pflegte er zeitlebens einen guten Kontakt.

In seiner Jugend war Gerhardinger als Ministrant an den Münchner Kirchen St. Peter und St. Michael tätig. Erste berufliche Erfahrungen sammelte er als Volontär bei einem Antiquar sowie zeitweise im Zigarrengeschäft Bader am Marienplatz. Ein Versuch, 1907 eine Anstellung als Magistratsschreiber im Münchner Rathaus zu erhalten, blieb erfolglos. Nebenbei begann er, kleine Gemälde mit Münchner Motiven zu malen, die sich gut verkauften und sein Interesse an der Malerei vertieften. Um seine Fähigkeiten zu verbessern, nahm er Zeichenunterricht an der städtischen Gewerbeschule.

1911 wurde Gerhardinger als Malschüler an der Akademie der Bildenden Künste München aufgenommen. Er studierte zunächst bei Angelo Jank, wechselte jedoch zwei Jahre später in die Klasse von Adolf Hengeler. Die Aufnahmegebühr von 60 Mark konnte er nur dank eines Auftrags für ein Gemälde des Kirchenschiffs von St. Peter begleichen. 1914 wurde er Mitglied der Münchner Künstlergenossenschaft.

Sein künstlerisches Debüt gab Gerhardinger mit zwei Bildern der Auer Dult auf der Jahresausstellung im Münchner Glaspalast. Eine besondere Auszeichnung war der Ankauf eines dieser Werke durch den Staat für die Neue Pinakothek. In den folgenden Jahren beteiligte er sich nahezu regelmäßig an den Ausstellungen im Glaspalast sowie an jenen der Künstlervereinigung „Die Achtundvierzig“ im Münchner Kunstverein. Künstlerisch orientierte er sich, insbesondere an Wilhelm Leibl und Charles Schuch.

Während des Ersten Weltkriegs wurde Gerhardinger 1915 zunächst nach Friaul einberufen, bald jedoch nach Rosenheim zur Entlausungsanstalt in der Sanierung versetzt. Dort fand er reichlich Gelegenheit zu Malstudien am Inn und auf dem nahegelegenen Samerberg. Die 1920er Jahre wurden zum bedeutendsten Jahrzehnt seines Schaffens. In dieser Zeit entstanden zahlreiche leuchtende, impressionistisch geprägte Landschaften und Stadtansichten.

Gemeinsam mit seinen Künstlerfreunden Otto Miller-Diflo, Erich Martin Müller, Louis Wöhner und Anton Lutz – im Freundeskreis nannte man ihn stets „Conso“ – unternahm Gerhardinger Studienaufenthalte in Kallmünz und Harburg an der Wörnitz. Die Sommermonate verbrachte er häufig auf Frauenchiemsee sowie am Samerberg. Im Sommer 1920 zeigte die Neue Galerie München in der Residenzstraße mehr als 30 seiner Gemälde; die Einführung in den begleitenden Katalog verfasste der renommierte Kunstkritiker Richard Braungart.

Im Herbst 1920 gründete Gerhardinger gemeinsam mit Thomas Baumgartner, Hiasl Maier-Erding und Alfred Haushofer die Künstlergemeinschaft „Die Frauenwörther“, die sich zum Ziel setzte, alljährlich sommerliche Verkaufsausstellungen in der Torhalle auf Frauenchiemsee zu veranstalten. Ein Höhepunkt seines künstlerischen Lebens war die Kollektivausstellung im November 1926 in der Münchner Galerie Heinemann, gefolgt von einer Ausstellung in der renommierten Kunsthandlung Schneider in Frankfurt im Februar 1927.

Zahlreiche Reisen erweiterten seinen künstlerischen Horizont: 1927 reiste er nach Paris, 1928 besuchte er auf Einladung von Kommerzienrat Schmitz-Scholl Museen in Köln, Essen und Düsseldorf und unternahm im selben Jahr eine Reise nach Ägypten und Palästina. 1931 heiratete Gerhardinger Else Koffler, die Adoptivtochter Schmitz-Scholls. 1936 erwarb das Ehepaar ein Haus oberhalb von Törwang am Samerberg, während Gerhardinger sein Münchner Atelier in der Theresienstraße, das er seit 1918 nutzte, beibehielt.

1937 erhielt er auf der Weltausstellung in Paris die Goldmedaille für das kleinformatige Gemälde „Die Hände“ (1928). Im selben Jahr stellte er im neu eröffneten Haus der Deutschen Kunst in München vier Werke aus, von denen drei durch Reichsminister Goebbels und Adolf Hitler angekauft wurden. Anfang 1938 wurde ihm der Professorentitel verliehen, 1939 folgte seine Berufung auf eine Freiplanstelle der Bayerischen Akademie der Bildenden Künste mit Lehrauftrag. Zu seinen Schülern zählten unter anderem Willibald Demmel und Hans Wohlrab.

1943 verweigerte Gerhardinger infolge der Luftangriffe auf das Haus der Deutschen Kunst weitere Ausstellungen. Dies führte zu einem Eklat: Sein Lehrauftrag wurde fristlos gekündigt, der Professorentitel aberkannt. Er zog sich nach Törwang zurück, wo er das Ende des Zweiten Weltkriegs erlebte.

1952 war Gerhardinger maßgeblich an der Wiederbegründung der Münchner Künstlergenossenschaft kgl. priv. von 1868 beteiligt, die 1939 durch die Reichskulturkammer aufgelöst worden war. Bis 1965 war er ihr erster Präsident, bis zu seinem Tod ihr Ehrenpräsident. 1968 erhielt er die Ehrenbürgerschaft der Stadt Rosenheim, 1969 jene des Marktes Kallmünz. Constantin Gerhardinger starb am 11. März 1970 und wurde auf dem Dorffriedhof von Törwang beigesetzt. Die Stadt Rosenheim erbte seinen künstlerischen Nachlass.

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