Hiasl Maier-Erding
1894-1933
"An der Alz" Maier-Erding Hiasl
Öl auf Leinwand, 45 x 70 cm
"Bootskahn am Ufer" Maier-Erding Hiasl
Öl auf Leinwand, 47 x 50,5 cm
"Primiz auf der Fraueninsel" Maier-Erding Hiasl
Öl auf Leinwand, 60 x 70 cm, 1926
"Bauernhof" Öl auf Leinwand, 44x 35 cm
Maier-Erding Hiasl
Hiasl Maier-Erding
1894 Erding - 1933 München
„Ich kann nur im Dialekt malen“
Hiasl Maier-Erding war eine echte bayerische Malernatur – urwüchsig, selbstbewusst und von unverstellter Direktheit. Seine kernigen Aussprüche mochten so manchem Hochgeborenen vor den Kopf stoßen, doch seine ehrliche, humorvolle Art brachte ihm ebenso große Sympathie ein. Zahlreiche Anekdoten ranken sich um den Maler, der viele Stunden im Kreis des bayerischen Hochadels verbrachte. So soll beim Kartenspiel mit Kronprinz Rupprecht von Bayern der Satz gefallen sein:
„Aber gell, Majestät, b’schissn wird fei net.“
Auch im Umgang mit Künstlerkollegen trat Maier-Erding selbstbewusst auf. Gegenüber Constantin Gerhardinger ist der Ausspruch überliefert: „Meine Buida san Praliné – und vor denen host dein Huat abz’nehma.“ Trotz dieses ausgeprägten Selbstbewusstseins blieb er zeitlebens bodenständig. Er porträtierte bevorzugt die Menschen seiner unmittelbaren Umgebung und lebte ab 1919 auf dem Dachboden des Huber-Bauern in Gstadt. Der Chiemsee bildete das Zentrum seiner landschaftlichen Motivwelt, wenngleich ihn auch Reisen und Aufenthalte außerhalb der Region prägten.
Geboren 1894 als zweiter Sohn eines Erdinger Wirts, war für den jungen Hiasl zunächst eine bürgerliche Laufbahn vorgesehen. Der Vater bestimmte, er solle Bäcker werden – ein solider Beruf. Doch Maier-Erding besaß eine andere Begabung: den inneren Drang, Eindrücke bildnerisch festzuhalten. Als Lehrling eines Dekorationsmalers in Prien malte er in jeder freien Stunde Chiemseelandschaften auf Pappe. Er fand Käufer und frühe Förderer, unter ihnen sogar die Äbtissin von Frauenchiemsee. Bald wurde deutlich, dass es sich um ein außergewöhnliches Naturtalent handelte.
Hinter der vermeintlichen Bauernschläue verbarg sich große Intelligenz. Auf Anraten seines Bruders Franz entschloss sich Maier-Erding zu einem Studium. Doch weder die Strenge der Münchner Kunstgewerbeschule noch der Unterricht bei Karl Raupp und Angelo Jank entsprachen seinem Wesen. Erst Lehrer wie Becker-Gundahl – ähnlich wie später bei Joseph Wopfner – erkannten sein Potenzial und förderten es nachhaltig.
Die Malweise Maier-Erdings ist locker, unbeschwert und von unverwechselbarer Handschrift. Seine Bilder zeigen ein atmosphärisches Pulsieren, getragen von einem prächtigen, oft leuchtenden Farbspiel. Besonders seine Himmel beeindrucken: Wolken erstrahlen goldglänzend im Sonnenlicht oder versinken in violetten Schatten – Effekte, die an Claude Monet erinnern. Deutlich spricht aus seinem Werk eine impressionistische Auffassung, die weniger das Gegenständliche als Stimmung, Licht und Bewegung in den Mittelpunkt stellt.
Vor diesem Hintergrund gewinnt Maier-Erdings berühmter Ausspruch „Ich kann nur im Dialekt malen“ besondere Bedeutung. Er meint keine folkloristische Begrenzung, sondern eine künstlerische Haltung: Malerei als unmittelbarer Ausdruck von Herkunft, Temperament und persönlicher Erfahrung. In diesem Sinne lässt sich der Gedanke Emil Thomas’ auf ihn anwenden: „Malerei ist ein Stück Natur durch ein Temperament gesehen.“
Trotz internationaler Anerkennung – 1918 arbeitete Maier-Erding am Amsterdamer Hof, wo ihn Königin Wilhelmine empfing – zog es ihn stets zurück an den Chiemsee. Heimweh und die Bindung an die Landschaft bestimmten sein Leben stärker als höfischer Glanz. In nur knapp vier Jahrzehnten schuf er ein Werk von bemerkenswerter Dichte und Qualität. „Meine Bilder sind Wechsel auf lange Zeit“, sagte er selbstbewusst – und behielt recht.
Hiasl Maier-Erding starb 1933 im Alter von nur 39 Jahren. Sein Werk bleibt ein kraftvolles Zeugnis bayerischer Malerei zwischen Impressionismus, Charakterstudie und landschaftlicher Poesie.
Hans Müller-Schnuttenbach
1889 München – 1973 Rosenheim
Ein Autodidakt der Chiemgauer Malerei
Hans Müller-Schnuttenbach war ein Junggeselle von Kopf bis Fuß – nahezu asketisch lebte er allein für die Kunst. „Für andere G’schichten“, so der Künstler selbst, blieb keine Zeit. Unermüdlich verfolgte er das Ziel, „alles Mittelmäßige auszumerzen“. Perfektion galt ihm dabei nicht als unerreichbares Ideal, sondern als täglich anstrebbarer Zustand. Hierfür war er unermüdlich unterwegs: „täglich unverdrossen auf Motivjagd im Freien“. Die Natur war seine Lehrmeisterin – besonders die stille, unverfälschte Landschaft Bayerns und des Chiemgaus.
Geboren am 24. Juli 1889 in München, widmete sich Müller-Schnuttenbach zeitlebens der bayerischen Heimat. Anders als viele seiner Kollegen suchte er nicht das markante Hochgebirge oder bekannte Panoramaansichten. Vielmehr fand er seine Motive in den leisen, unscheinbaren Winkeln der Natur: ein knorriger Baum, ein verwitterter Gartenzaun, wildes Gestrüpp, ein kleiner Bachlauf. In diesen vermeintlich unbedeutenden Details lag für ihn die Essenz der Landschaft – und genau darin liegt die besondere Bedeutung seines Werkes für die Chiemgauer Malerei.
Müller-Schnuttenbach bevorzugte Gouache, Tempera und Aquarell, nur selten Öl, um vor Ort seine Eindrücke festzuhalten. Seine lockere, filigrane Technik erzeugt eine beeindruckende atmosphärische Dichte, die Licht, Stimmung und Bewegung unmittelbar erfahrbar macht. Dieses sensibel beobachtete, unmittelbare Erfassen von Landschaften und Alltagsszenen ist ein Kennzeichen der Chiemgauer Malerei und macht ihn zu einem prägenden Vertreter dieser regionalen Kunsttradition. 1943 wurde sein Werk mit dem Leibl-Sperl-Preis der Stadt Rosenheim ausgezeichnet.
Obwohl er ein Eigenbrötler war, pflegte Müller-Schnuttenbach regen Austausch mit Künstlerkollegen wie Sepp Hilz, Hermann Urban, Leo von Welden oder Brynolf Wennerberg. Gemeinsam mit ihnen trug er zur Belebung des künstlerischen Lebens am Chiemsee bei – einem zentralen Impulsgeber für die spätere Stiftung „Freunde der Chiemgauer Kunst“, die sich der Pflege und Vermittlung dieser regionalen Maltradition verschrieben hat.
Seine Gemälde, die er selbst liebevoll „seine Kinder“ nannte, sind ein bedeutender Bestandteil des künstlerischen Erbes des Chiemgaus. Mit dem Leibrentenvertrag, den er 1950 mit der Stadt Rosenheim schloss, sicherte er nicht nur seine eigene Lebenssituation, sondern auch den Erhalt von rund 1400 Arbeiten, die heute Kunsthistorikern, Sammlern und der Öffentlichkeit die Besonderheiten der Chiemgauer Malerei auf eindrucksvolle Weise vermitteln.
Hans Müller-Schnuttenbach verstarb am 28. November 1973 in Rosenheim. Sein Werk bleibt ein unverzichtbarer Bestandteil der Sammlung und des künstlerischen Erbes, das die Stiftung „Freunde der Chiemgauer Kunst“ heute bewahrt, erforscht und der Öffentlichkeit zugänglich macht.
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„Stiftung Freunde der Chiemgauer Kunst“
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