Thomas Baumgartner
1892-1962
"Mädchen mit Nelke" Öl auf Leinwand
Thomas Baumgartner
"Staatsschauspielerin Angela Sallocker" Öl auf Leinwand, 90x 78 cm, 1940
Thomas Baumgartner
"Der alte Garber" Öl auf Leinwand, 1950
Thomas Baumgartner
"General von Keller" Öl auf Leinwand, 78x 106 cm
Thomas Baumgartner
"Schusterbuben von Rottau" Öl auf Leinwand, 101x 81 cm
Thomas Baumgartner
"Blumenstrauß" Öl auf Holz, 44,5 x 35 cm
Thomas Baumgartner
"Mädl in Tracht" Öl auf Leinwand, 49 x 39 cm
Thomas Baumgartner
"Tubaspieler (Löwe)" Öl auf Leinwand, 83x 99 cm, 1930
Thomas Baumgartner
"Dame mit Hut" Öl auf Leinwand
Thomas Baumgartner
"Bauernbub mit Kolibri" Öl auf Holz 46x 37,5 cm 1919,
Thomas Baumgartner
Thomas Baumgartner
1892 München - 1962 Kreuth, Landkreis Miesbach
Thomas Baumgartner zählt zu den bedeutenden Porträtisten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im bayerischen Raum. „Mit Leibl’scher Kraft und Naturwahrheit“ näherte er sich der Darstellung des Menschen – eine Charakterisierung, die seine Kunst bis heute treffend beschreibt. Besonders hervorzuheben ist seine außerordentlich detaillierte Oberflächengestaltung: Jede Falte, jede Nuance des Ausdrucks ist mit größter Sorgfalt und handwerklicher Präzision auf die Leinwand übertragen. Baumgartners eindringliche Porträts erzählen nicht nur von technischer Meisterschaft, sondern eröffnen zugleich einen tiefen Blick hinter die Physiognomie der Dargestellten.
Richard Braungart beschrieb 1921 diese künstlerische Intensität eindrucksvoll:
„Er geht […] denen er nahezukommen hoffen darf, mit solcher Energie zu Leibe, daß sie ihr Letztes und Heimlichstes an Wesentlichem offenbaren müssen.“ Der ehrliche, ungekünstelte Vortrag seiner Bilder entsprang einer inneren Notwendigkeit – er ist Ausdruck von Baumgartners künstlerischem Selbstverständnis und gleichsam sein Fakum. In seinen Werken begegnen uns stets unverwechselbare Individuen, deren markante Züge und persönliche Präsenz er mit großer Eindringlichkeit festhielt. Es überrascht daher kaum, dass Kritiker seine Kunst in eine Traditionslinie mit Hans Holbein d. J. und Wilhelm Leibl stellten.
Früh wurde Baumgartner als herausragender Porträtist anerkannt. Zu seinen Auftraggebern zählten unter anderem König Ludwig III. von Bayern sowie der Generalmusikdirektor Hans Knappertsbusch. Seine solide handwerkliche Grundlage erwarb er zunächst in einer vierjährigen Ausbildung als Dekorationsmaler. Von 1911 bis 1916 studierte er an der Münchner Akademie bei Angelo Jank. Studienreisen nach Holland und Italien erweiterten seinen künstlerischen Horizont.
Längere Zeit lebte und arbeitete Baumgartner in Griesbach im Rottal und Simbach am Inn, wo er in engem Kontakt mit der bäuerlichen Bevölkerung stand. Diese Lebensnähe prägte seine Themen nachhaltig. Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete er gemeinsam mit Hiasl Maier-Erding und Constantin Gerhardinger am Chiemsee und wurde Mitbegründer der Künstlervereinigung „Die Frauenwörther“, die an die Tradition der Künstlerkolonie Frauenchiemsee anknüpfte.
Nach seiner Heirat ließ sich Baumgartner in Point bei Kreuth im Tegernseer Tal nieder. Aus den letzten zwei Jahrzehnten seines Schaffens stammen zahlreiche Werke mit Motiven aus dem bäuerlichen Alltag: Bauern und Bäuerinnen im Stall, beim Nachtmahl oder in stillen Feierabendmomenten. Diese kraftvollen, lebensnahen Darstellungen fanden große Beachtung und wurden auf bedeutenden nationalen wie internationalen Ausstellungen gezeigt.
In allen Phasen seines Schaffens bleibt Baumgartners handwerkliche Meisterschaft sichtbar – sie bildet das Fundament seiner Kunst. In späteren Jahren widmete er sich zunehmend der Jagd, wodurch seine künstlerische Produktion abnahm. Zeit seines Lebens pflegte er enge Kontakte zum Hause Wittelsbach. Thomas Baumgartner ist an der Seite seines Freundes Kiem Pauli auf dem Friedhof von Kreuth am Tegernsee begraben.
"Bildnis Thomas Mann" Öl auf Leinwand, 58x 81 cm
Thomas Baumgartner
"Mädl" Öl auf Leinwand, 30x 40 cm, 1919
Thomas Baumgartner
"Blinde Magd in Tracht" Öl auf Leinwand, 31x 42 cm
Thomas Baumgartner
"Jager" Öl auf Leinwand, 54x 74 cm, 1925
Thomas Baumgartner
"Schmid von Gstadt vom Chiemsee" Öl auf Holz, 32x 27 cm, 1930
Thomas Baumgartner
Sensation in Point
Auszug aus dem Buch:
"Thomas Mann und seine Liebe zu Kreuth" ein Begleitbuch von Karl Smikalla.
Buchstäblich in letzter Minute vor der Drucklegung des Buches bekam Herr Smikalle eine Nachricht von Herrn Günther Hermann, der in Point bei Kreuth das herrliche Atelier von Thomas Baumgartner übernommen hatte. Die Sensation war damit perfekt! Der Kunstmaler Herrmann wusste zu berichten, dass er ein Ölgemälde von Thomas Baumgartner kenne, das den Nobelpreisträger Thomas Mann zeigt. Sein Hinweis, dass sich das Porträt in Privatbesitz in München, und zwar in der Sammlung Faussner befinde, war eine gute Nachricht, denn die Familie Faussner zeigte sich sofort ganz aufgeschlossen und lud mich zur Besichtigung des Bildes ein.
Da stand ich nun vor Thomas Mann in Öl, ganz der seriöse Nobelpreisträger. Und welche Ähnlichkeit mit dem Foto, das ich schon im ersten Buch auf Seite 98 gebracht habe. Was mir sofort auffiel, war das Fehlen der Warze unter dem linken Auge, sowohl auf dem Foto wie auf dem Ölbild. Aber wenn man weiß, dass es in der damaligen Zeit gang und gäbe war, kleine Schönheitsfehler wegzuretuschieren, ist das Rätsel gelöst.
Das Bild muss kurz vor der Emigration Thomas Mann und nach der Nobelpreisverleihung, also zwischen 1929 und 1933 (präziser also in 1930, 31 oder 32) gemalt worden sein, da es nicht mehr von Thomas Mann gegengezeichnet noch von ihm angekauft worden ist. Von Professor Faussner wurde es am 16.11.1990 aus der Sammlung seiner Königlichen Hoheit Josef Clemens Prinz von Bayern als Porträt des Thomas Mann erworben. Es handelt sich um Öl auf Leinwand in den Abmessungen 88 x 72 cm. Auf der Rückseite kleben zwei Etiketten mit dem Hinweis auf Thomas Mann.
Wer war Thomas Baumgartner?
Thomas Baumgartner (1892–1962) zählte in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg zu den gefragtesten Porträtisten Münchens. Sein künstlerischer Durchbruch gelang ihm jedoch bereits früh: 1913 erhielt der erst 21-jährige Akademieschüler auf der Großen Internationalen Kunstausstellung im Münchner Glaspalast die Goldmedaille für sein Porträt „General von Keller“. Diese Auszeichnung machte den jungen Künstler schlagartig bekannt.
Kurz darauf vollendete Baumgartner nach nur wenigen Sitzungen das großformatige Porträt Seiner Majestät des Königs von Bayern. Das Werk sorgte in der Münchner Gesellschaft für Aufsehen und begründete seinen Ruf als außergewöhnlich begabter Porträtist. Von diesem Zeitpunkt an mangelte es ihm nicht mehr an anspruchsvollen Aufträgen aus Adel, Bürgertum und Kulturleben.
Eine besondere Beziehung verband Baumgartner früh mit dem Tegernseer Tal. Bereits 1911, nach dem Abschluss seiner Ausbildung an der Mal- und Zeichenschule von Hermann Groeber, hielt er sich in Rottach am Tegernsee auf. Dort lernte er Dr. Georg Hirth kennen, den Gründer und Herausgeber der Zeitschrift „Jugend“, die dem Jugendstil ihren Namen gab. Hirth, dessen Ehefrau in enger familiärer Verbindung zur Familie Preetorius stand, zeigte sich von dem jungen Maler so beeindruckt, dass er sich selbst porträtieren ließ und Baumgartner zudem einen Auftrag für seinen Freund Ludwig Thoma vermittelte.
Vor diesem Hintergrund erscheint es folgerichtig, dass sich Thomas Baumgartner 1932 dauerhaft im Kreuther Tal niederließ und ab 1936 in Point bei Kreuth ein eigenes, repräsentatives Atelier einrichtete. Hier entstanden zahlreiche Werke seines reifen Schaffens. Eine enge, lebenslange Freundschaft verband ihn mit dem Volksmusiker, Schriftsteller und Sammler Kiem Pauli. Beide sind heute auf dem Friedhof von Kreuth nebeneinander begraben – ein stilles Zeugnis einer tiefen persönlichen und geistigen Verbundenheit.
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„Stiftung Freunde der Chiemgauer Kunst“
Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee
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